23. Dezember

katierfahrung

TRAUMBERUF Hebamme

HEBAMME – schon immer mein absoluter Traumberuf!
Keinen anderen Beruf könnte bzw. kann ich mir je wirklich vorstellen. Nach der Realschule noch zu jung diesen Beruf zu erlernen und zu faul weiter die Schulbank zu drücken habe ich zuerst eine Ausbildung zur Arzthelferin gemacht. Ganz bewusst eine Frauenarztpraxis gewählt um schon in den Bereich meines Traumes zu kommen. Im Nachhinein eine gute Wahl da ich älter wurde und auch die Seite der Ärzte bzw. die komplette Praxisorganisation kennenlernte. Nach der bestandenen Prüfung kurze Zeit in dem Beruf gearbeitet um die Zeit bis zum Beginn meiner Ausbildung als Hebamme sinnvoll zu nutzen.

3 Jahre Hebammenausbildung – eine Zeit an die ich gerne zurück denke! Viele nette Menschen kennengelernt, Freundschaften geknüpft, vieles gelernt, selbstverständlich aber auch Höhen und Tiefen durchlebt. Der Hebammenberuf hat nicht nur Sonnenseiten und eine Ausbildung mit dem Umfang ist auch nicht mal nebenbei gemeistert. Nach 3 Jahren und vielen Erfahrungen reicher glücklich das Examen bestanden und bereit ins Berufsleben zu starten.

Die erste Stelle, ein kleines Krankenhaus mit weniger als 250 Geburten im Jahr. Eigentlich das genaue Gegenteil von dem was ich immer wollte. Mein ursprünglicher Gedanke war, als Berufsanfänger gehe ich am Besten in ein großes Krankenhaus mit mehreren Hebammen und Ärzten im Dienst, im Idealfall mit Kinderklinik. Na ja, manchmal kommt es eben anders. Kleines Beleghaus, immer alleine im Dienst, zuständig für Kreißsaal, Wöchnerinnen mit Babys und wenn nötig auch für weitere Patienten, welche auf der Station liegen. Rückblickend ein anstrengender Start mit viel Verantwortung aber sicher hierbei sehr viel gelernt; vielleicht sogar mehr als ich es in einem großen Krankenhaus gelernt hätte. Das Schöne hierbei war sicher auch, dass ich viele problemlose Geburten erleben durfte. In einem Krankenhaus mit angeschlossener Kinderklinik hätte ich mich viel intensiver mit Pathologie beschäftigen müssen.
Da mir die Wochenbettbetreuung immer schon wichtig war, bin ich neben meinem Angestelltenverhältnis auch direkt in die Freiberuflichkeit gestartet. Und damit die erste Arbeitswoche gleich spannend startet habe ich aufgrund von Krankheit einer Kollegin direkt mit der Leitung von Geburtsvorbereitungskursen begonnen.

Aufgrund der geringen Geburtenzahl war von Beginn an klar, dass dieses Krankenhaus nicht mehr lange bestehen würde. Daher habe ich mich umgesehen und eine neue Stelle gefunden.
Dieses Mal in einem Krankenhaus, welches ca. die doppelte Geburtenzahl hat als ich kannte. Als Hebamme war ich wieder alleine im Dienst, die Ärzte waren ebenfalls Belegärzte aber ich war nur noch für den Kreißsaal und nicht mehr für die Station mit verantwortlich. Ich freute mich auf meine neue Aufgabe, das neue Team und in diesem Fall die komplett neuen Kreißsäle. Inzwischen war ich an dem Punkt angekommen, dass ich mir ein Haus mit Kinderklinik oder vielen Geburten gar nicht mehr vorstellen konnte. Ich habe das Arbeiten in dem kleinen, familiären Rahmen zu schätzen gelernt und möchte meinen Arbeitsplatz nicht mehr tauschen. Es macht einfach einen großen Unterschied ob in einem Krankenhaus ca. 500 Frauen im Jahr entbinden oder über 1000 Frauen.

Nachdem die Freiberuflichkeit ein fester Bestandteil meines Berufslebens wurde habe ich auch an meinem neuen Wohnort mit Wochenbettbetreuungen begonnen. Meine Kurstätigkeit an sich wollte ich nicht aufgeben, aber die Rahmenbedingungen waren mir hier besonders wichtig. Die Kursgruppen sollten eher klein und überschaubar sein um auf jede Frau individuell eingehen zu können. Daneben war mir der Kursraum aber auch sehr wichtig. Er sollte einen geschützten Rahmen bieten aber auch gemütlich und ansprechend sein. Mein Glück in dieser Zeit war, dass eine weitere neue Kollegin mit mir in der Klinik zu arbeiten begann, welche die gleichen Wünsche hatte wie ich. Gemeinsam überlegten wir und kamen sehr schnell zu einem Ziel – eine Hebammenpraxis sollte es sein. Sofort machten wir uns auf die Suche nach geeigneten Räumen und wurden schnell fündig. Mit Hilfe von Freunden und Familie gestalteten wir unsere eigenen Räumlichkeiten in denen wir Kurse anboten. Da die Nachfrage groß war, wurde unser Team schnell größer und wir konnten Neues mit anbieten. Aufgrund dessen, dass unsere Freiberuflichkeit immer mehr wurde reduzierten wir unsere Kliniktätigkeit – ganz aufhören war zu diesem Zeitpunkt nie eine Option. So arbeiteten wir eine ganze Zeit lang und fühlten uns wohl dabei. Irgendwann aber kam der Punkt, an dem sich unser Privatleben veränderte, neue berufliche Perspektiven ergaben sich. Meine Kollegin entschied sich die Praxistätigkeit zu reduzieren und dann ganz zu beenden um an einen neuen Ort zu ziehen und sich dort beruflich zu verändern.
Ich wollte aber mein „Baby“, die Hebammenpraxis nicht aufgeben. Also suchte ich nach einer Lösung. Wir (meine Partner und ich) fanden ein schönes Haus und es ergab sich dadurch die Möglichkeit die Praxis dorthin mit umzuziehen. Ab dem Zeitpunkt gehörte die Hebammenpraxis mir alleine. Jedoch hatte bzw. habe ich viele tolle Kolleginnen welche mich unterstützen und das Angebot mit bereichern.

Im Privatleben kam der Moment, dass wir uns entschieden eine Familie zu gründen. Ich wurde schnell schwanger, verabschiedete mich aus dem Klinikalltag und freute mich aufs Muttersein. Während meiner zum Glück problemlosen Schwangerschaft betreute ich weiter Familien, machte Kurse und die Praxisorganisation. Mit fortschreitender Schwangerschaft befassten wir uns natürlich auch mit der Frage „Wo soll unser Kind zur Welt kommen?“. Große Klinik mit Kinderklinik war für mich nur im Notfall eine Option. In „meiner“ Klinik konnte ich mir gut vorstellen zu entbinden, dann evtl. ambulant. Eine außerklinische Geburt im Geburtshaus war auch eine denkbare Möglichkeit für uns. Am Ende entschieden wir uns für eine Hausgeburt. Ich wusste aufgrund meiner vielen Bereitschaftsdienste, dass der Weg in die Klinik kurz ist und schwerwiegende Komplikationen höchst selten auftreten. Eine Entscheidung, hätte man mir das ein paar Jahre zuvor gesagt, welche ich mir nicht hätte vorstellen können. Jetzt war ich aber selbst schwanger und es fühlte sich richtig und sehr gut an. Ich kannte die Kolleginnen, welche die Geburt bei uns zu Hause betreuen würden und wusste bei Komplikationen fahren wir in „meine“ Klinik. Dort würde ich die Ärzte kennen und mir wäre nichts fremd. Die Klinik habe ich zum Glück nicht als Patientin kennen gelernt. Unsere Tochter kam an einem Samstag, völlig problemlos und schnell zu Hause, in unserem Schlafzimmer zur Welt. Wenn ich darüber nachdenke hatten wir eine wunderschöne Geburt, selbstverständlich mit schmerzhaften Wehen die in den eigenen vier Wänden aber gut zu ertragen waren. Der Start als junge Familie, direkt im eigenen Haus war schön. Auch wenn ich als Hebamme viel über das Wochenbett wusste, auch wir mussten erst mal langsam als Familie zusammenwachsen. Das Stillen klappte zum Glück problemlos, die junge Dame entwickelte sich prächtig und meine Geburtsverletzung heilte gut.
Schon vor der Geburt war für uns klar, dass ich schnell wieder in meinen Beruf zurück wollte. Von der Arbeit in der Klinik habe ich mich schweren Herzens erst einmal verabschiedet. Aber meine Kurse und Familien wollte ich auch mit Kind weiter gut betreuen. In meiner Vorstellung war dies alles deutlich einfacher als es sich in der Praxis umsetzen lies. Ohne die Unterstützung durch meinen Mann und auch meine Mama, die bis heute regelmäßig einmal die Woche kommt wären Kurse sicher nicht möglich. Wochenbettbetreuungen lassen sich sehr flexibel gestalten, so dass ich meine Termine so legte bzw. lege, dass entweder mein Mann oder eine andere Bezugsperson zu Hause ist. Als meine Tochter ein knappes Jahr alt war, fanden wir eine nette Einrichtung vor Ort, in welcher meine Kleine an den Vormittagen betreut wurde. Ihr gefiel es von Beginn an gut, so dass ich als Mama guten Gewissens arbeiten gehen konnte. Selbstverständlich gab es aber trotzdem Tage an denen ich das Gefühl hatte mehr Zeit für andere zu haben als für meine Familie. Nach und nach veränderte ich meine Arbeitsweise bzw. passte Sie an mein Privatleben an. Ich war bzw. bin nicht mehr rund um die Uhr für alle erreichbar. Die Abende z.B. gehören im Normalfall der Familie. Auch schaffe ich es meist nicht mehr täglich die Praxismails zu beantworten. Ein- bis zweimal die Woche versuche ich mir hierfür Zeit zu nehmen. Für die meisten Frauen ist es ok, dass ich nicht jederzeit sofort reagiere. Einige wenige finden diese Situation gar nicht gut.
Ab dem Moment merkte ich, dass ich immer mehr zwischen den Stühlen sitze – einerseits meine Familie – Mann und Kind, andererseits mein Beruf – eigene Praxis und Familien in der Wochenbettbetreuung. Es gestaltet sich deutlich schwieriger als vorneweg gedacht. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nur möglich, wenn man einen starken Partner und eine Familie hat, welche bereit ist dies mit zu tragen. Mit einem Kind haben wir nach und nach für uns gute Lösungen gefunden.
Als ich wieder schwanger wurde haben wir viel geredet und überlegt wie es nach der Geburt weiter gehen soll. Auch jetzt war für meinem Mann und mich klar, dass ich meinen Beruf nicht kompaltt aufgeben werde. Nach der Geburt unseres Sohnes – wieder eine wunderschöne Hausgeburt, zufällig sogar mit den gleichen Kolleginnen – versuchte ich alles langsam angehen zu lassen. Das Stillen klappte wieder gut, Verletzungen hatte ich dieses Mal keine jedoch ein großes Kind, welches die volle Aufmerksamkeit von Mama und Papa wünschte. Wir mussten erst lernen Wege zu finden um beiden Kindern gerecht zu werden. Auch das Arbeiten war mit einem Kind viel einfacher als mit zwei. Da ich meinen Beruf und besonders die Praxis nicht aufgeben wollte kämpften wir uns durch die erste Zeit. Ziemlich schnell war klar, dass dies nur möglich ist, wenn beide Kinder in einer Betreuung einen Platz bekommen. Zu Beginn habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht. Heute bin ich froh, dass sich beide Kinder in den jeweiligen Einrichtungen wohl fühlen.

Nachdenklich macht mich aktuell am Meisten, dass ich teils mehr Zeit für „Fremde“ Familien als für meine Familie/Kinder habe. Aber wie ist dies lösbar? Doch meinen Beruf aufgeben? Wieder eine Hebamme weniger die Familien zu Hause betreut.
Oder löst sich die Situation ganz von alleine, weil der Hebammenberuf aufgrund der nochmal steigenden Haftpflichtprämie nicht mehr zum Überleben reicht? Einen Beruf ausüben, welcher nur teures Hobby ist? Kann ich mir das noch leisten bzw. will ich dies?

Ganz egal, wie die Lösung aussehen wird. Der Beruf der Hebamme ist und bleibt mein Traumberuf auch wenn ich diesen aktuell nicht so intensiv ausüben kann, wie dies noch ohne Familie möglich war!

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